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LOGO MovieInterview Nordkurier 23.04.2020 von Thomas Krause:

Haben Sie die Absage der Bundesliga-Saison inzwischen verdaut?

Nüchtern betrachtet ja. Im Moment ist es für mich keine Überraschung. Wenn selbst Fußballspiele, Formel 1, Moto GP und andere Großveranstaltungen abgesagt bzw. auf nicht absehbare Zeit nicht stattfinden, trifft es auch unseren Sport. Das ist natürlich extrem bedauerlich, aber eben nicht zu ändern. Jeder muss mit Einschränkungen umgehen. Das trifft uns als Privatpersonen, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber und eben auch uns Sportler.

 

Können Sie die Entscheidung nachvollziehen?

Die Liga, wie sie in diesem Jahr geplant war, reihte sich in einen eh schon engen Terminkalender ins internationale Geschehen ein. Die BuLi wird in DEU am Wochenende ausgefahren. Hier kollidieren schnell Termine für die Qualis für SEC und GP und mit dem internationalen Ligabetrieb. Fahrer und Veranstaltungen sind in der Verfügbarkeit gut durchdacht aufeinander abgestimmt gewesen. Ich habe zum Beispiel im Vorfeld meine BuLi Termine nach Polen geschickt und umgekehrt kannte der MC Güstrow meine Termine in Polen. Schon unter normalen Umständen gab es bei mir glaube ich mindestens eine Überschneidung an der jedoch mein polnischer Verein gearbeitet hat. Solch ein System kommt dann schnell ins Trudeln wenn umgeplant oder verschoben werden muss, schon unter normalen Umständen. Zumal wir als Randnation in der Planung maßgeblich von den anderen Ligen, vor allem in Polen, abhängig sind. Auch in meinem Rennkalender würde es relativ schnell zu Überschneidungen kommen.  

Sie fahren auch in Ligen in Großbritannien, Polen und Dänemark. Auch dort fallen viele Rennen aus. Glauben Sie, dass es in diesem Jahr noch einen vernünftigen Ligabetrieb geben wird?

Ich habe in dieser Saison Verträge in der dänischen Superliga, der schwedischen Eliteserien und der polnischen Liga. Aus Dänemark wurde ich informiert, dass sich bis Mitte Mai nichts an der jetzigen Situation ändern wird. Meines Wissens nach sind dort sogar bis August alle Großveranstaltungen abgesagt. Schweden geht seinen eigenen Weg, dort habe ich schon mitbekommen, dass einige Fahrer trainieren können. Aber ob sich dieser eigene Weg bewährt ist völlig offen.
Je weiter wir in diesem Punkt voranschreiten, je unwahrscheinlicher ist ein Ligabetrieb wie es bisher ablief. In Schweden zum Beispiel fängt die Saison eh erst im Mai so richtig an und der Terminplan ist nicht ganz so eng, das könnte man noch hinbekommen, Polen und Dänemark sehen da schon etwas anders aus. Vielleichtfindet etwas in abgewandelter Form statt.
Solange die Grenzen jedoch zu sind, macht es überhaupt keinen Sinn über irgendein Rennen im Ausland nachzudenken. Ich gehe davon aus, sollte es zu Veranstaltungen kommen, wird wo immer möglich, zuerst auf nationale Fahrer zurückgegriffen werden. Mehr als abwarten bleibt mir eh nicht. Das sich die Zahl der Rennen extrem reduziert ist jedoch abzusehen. Der Osterpokal wird eben nicht im Sommer ausgefahren.

Auch der Speedway-Sport ist abhängig von Sponsoren. Welche finanziellen Auswirkungen hat die Coronakrise für einen Profifahrer wie Sie?

Natürlich versucht man auch in dieser Zeit die finanzielle Situation unter Kontrolle zu bekommen. So habe ich, wie viele andere auch, Geld über die Corona Soforthilfe beantragt.
Als Speedwayfahrer finanziert man quasi den Saisonstart vor. Natürlich habe ich, wie jeder andere Profi in diesem Geschäft auch, Geld für Neuinvestitionen in die Hand genommen und viel Zeit in die Vorbereitung investiert. Nun steht mein komplettes Material rennfertig in der Ecke. Meinen Mechaniker aus Polen habe ich gerade noch rechtzeitig wieder nach Hause schicken können.
Einiges wurde durch langjährige Sponsoren abgefedert, trotzdem ist da eine Lücke im Einkommen durch fehlende Renneinnahmen, die auch mir weh tut. Defacto habe ich im Moment keine Einnahmen dafür viel Zeit für meine Familie. Für mich fühlt sich das gerade genauso an, als könnte ich aufgrund einer Verletzung keine Rennen fahren. Das kann einem als Profi immer mal passieren. Speedway kann man aber auch nicht ewig fahren, umso schmerzvoller ist es für mich, dass mir die Zeit ein wenig durch die Finger rinnt. Aber in dieser Situation befinde ich mich gerade nicht allein.

Wie trainieren Sie zurzeit?

In diesem Jahr bin ich noch keinen Meter mit dem Speedwaymotorrad gefahren. Die ersten Trainings waren genau in der Woche geplant, in der die ersten Maßnahmen des ShutDowns griffen. Eine Woche später hätte ich die ersten Testmatches in Schweden und Polen gehabt. Ansonsten gehe ich fast täglich laufen oder spule meine Kilometer mit dem Rennrad ab. Nebenbei noch etwas Krafttraining. Mein Glück ist, dass ich auf meinem Hof über eine Motocrosststrecke verfüge, wo ich ab und an mit dem PitBike fahren kann. Das ist ein guter Ausgleich, schafft Kondition und Motorradgefühl.

Kann man sich ohne Rennen überhaupt die nötige Form erarbeiten?

Es ist schwer und nichts geht halt über das Fahren mit dem Speedwaymotorrad.

Sie gehören zu den besten deutschen Speedwayfahrern. Könnte der Bahnsport hier durch die Coronapandemie eine größeren Schaden nehmen, als manch einer glaubt?

Das hoffe ich nicht. Der Speedwaysport verfügt über einen harten Kern an Fans, vor allem und auch in MV. Es sind nicht nur wir Fahrer die darauf hoffen endlich wieder fahren zu können, auch die Fans zieht es an die Strecke. Inwieweit auch Fahrer finanziell ins Schwanken kommen, dafür braucht man kein Hellseher sein. Das wird sich zeigen wenn es wieder losgeht. Es ist für alle schwer, Vereine, Fahrer und Sponsoren.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland Speedway-Nationen wie Polen oder Großbritannien derzeit hinterher. Was wird in diesen Ländern anders und besser gemacht?

In anderen Ländern ist einfach mehr Geld im Umlauf. In Polen oder Dänemark werden junge Talente konsequent durch Vereine und Sponsoren gefördert und das von früher Jugend an. Du kannst dich zu 100% auf den Sport konzentrieren. Hinzu kommt die Vernetzung innerhalb der Szene. Da fehlt uns Deutschen was. Du brauchst von Anfang an Rennen, möglichst in Deu, PL und/oder DK und England.

Ich sehe mich in Deutschland als einer von drei Speedwayprofis die von dem Sport Leben können und bin somit eher die Ausnahme. Das war nicht immer so. Es ist ein harter Weg, mit vielen Steinen und Entbehrungen. Es ist in Deutschland manchmal einfacher seinen Unterhalt mit anderen Dingen zu verdienen als mit Sport, vom Fußball mal abgesehen.

Und die Reichweite ist natürlich in Polen einmalig. Da kommen regelmäßig an jedem Ligawochenende Zuschauer zusammen, die in Deutschland undenkbar sind. Und es gibt den Ligabetrieb im TV zu sehen. Das steigert natürlich automatisch die Möglichkeiten für Sponsoren.

Dennoch bin ich der Meinung, dass es auch der Speedwaysport bei uns aufwärts geht. Dieser Trend ist gut zu beobachten, seitdem wir in Teterow den Grand Prix haben. Auch der steigende Zuspruch bei offenen Veranstaltungen zu Ostern und Pfingsten in Güstrow ist für mich erkennbar. Und wenn man sich die Entwicklung der Speedway Bundesliga in den vergangenen Jahren ansieht und wie der Plan für 2020 aussah, dann sind das aus meiner Sicht viele kleine Schritte in die richtige Richtung.

Ist ein fester Startplatz im Speedway-Grand-Prix für Sie noch ein Ziel?

Grundsätzlich ja. Ich muss es aber auch von den Rahmenbedingen abhängig machen. 2019 musste ich kurzfristig die Zusammenarbeit mit einem neuen Mechaniker aufbauen. Hinzu kamen in der Vergangenheit immer mal wieder Lücken um diese Ambitionen finanziell zu hinterlegen. In der Qualifikationsphase trägt man nahezu alle Kosten selbst. Da muss der Schwerpunkt eben manchmal anders gesetzt werden. Im Laufe des letzten Jahres hat sich die Sponsorensituation bei mir wieder etwas verbessert und die Zusammenarbeit mit dem neuen Mechaniker funktioniert auch sehr gut. Dadurch ist es mir wieder möglich, dieses Vorhaben in den Blick zu nehmen und mich voll darauf zu konzentrieren. Ich habe in diesem Jahr sowohl für die SEC als auch für die GP Qualifikation genannt und jeweils einen Startplatz bekommen. Aber auch hier ist völlig offen ob die Qualis stattfinden.

Sie sind in Crivitz in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen. Wie sind Sie zum Speedwaysport gekommen?

Na so richtig aufgewachsen bin ich ja in Heidhof, in der Nähe von Ludwigslust. Ludwigslust verfügt über eine Sand- und eine Speedwaybahn. Mein Vater hatte als ich zehn Jahre alt war mal die Idee, mich auf eine 500ccm Speedwaymaschine zu setzen. Ich war viel zu klein, mein rechtes Bein musste mit Klebeband an der Fußraste fixiert werden und wir haben zunächst nur auf dem Feld probiert. Später habe ich dann in Ludwigslust meine ersten Runden gedreht.

Können Sie sich noch an Ihr ersten Rennen erinnern?

An das erste Rennen nicht, aber an meinen ersten Sieg. Das war am 07.07.2001 ein J- Lizenz Rennen in Ludwigslust. Als Siegprämie gab es ein Fahrrad. Der Pokal gehört definitiv zu denen, die nicht verschenkt werden.

Wie sieht für Sie eine normale Rennwoche aus?

Idealerweise Dienstag Schweden, Mittwoch Dänemark, Samstag Deutschland, Sonntag Polen.

Was macht die Faszination des Speedways aus?

Aus meiner Sicht konnte ich mein Hobby zum Beruf machen. Was für mich das größte Glück ist. Ich habe vielleicht eine ganz andere Sichtweise auf Speedway als Außenstehende oder ein Fan. Wir fahren mit einem relativ einfach gehaltenen Motorrad ohne Bremsen und einer schnelleren Beschleunigung als ein Formel 1 Auto von 0 auf 100 km/h in 2,3 sec. Früher ging es einfach ums Motorradfahren. Heute ist es eher der sportliche Wettkampf und natürlich die Möglichkeit damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich bei einem Rennen fünf Möglichkeiten in vier Runden meine Punkte einzufahren.

Vielen Dank für das Interview!

 

 

 

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